Antivenom in Namibia weiterhin knapp – Vorsicht zu Beginn der Schlangensaison

Mit den steigenden Temperaturen nimmt in Namibia auch die Aktivität von Schlangen wieder zu. Die Snake Conservation Association of Namibia (SCAN) warnt deshalb zu besonderer Vorsicht: Die Bestände an Gegengift sind derzeit niedrig. Aktuelle Zahlen zeigen zugleich, wie häufig es vor allem in Zentralnamibia zu Begegnungen zwischen Menschen und Schlangen kommt.

Mit Beginn der wärmeren Jahreszeit werden Schlangen in Namibia wieder aktiver. Damit steigt auch die Wahrscheinlichkeit, dass Tiere in der Nähe von Häusern, Gärten oder landwirtschaftlich genutzten Flächen auftauchen. Die Snake Conservation Association of Namibia (SCAN) hat deshalb die Bevölkerung zu besonderer Vorsicht aufgerufen. Hintergrund sind die derzeit niedrigen Bestände an Antivenom im Land. SCAN arbeitet nach eigenen Angaben daran, die Beschaffung zusätzlicher Bestände zu beschleunigen.

Kosie Henn von SCAN rät ausdrücklich davon ab, eine Schlange selbst zu fangen oder zu töten. Stattdessen sollte Abstand gehalten und ein erfahrener Schlangenfänger verständigt werden. Wenn dies gefahrlos möglich ist, kann das Tier aus sicherer Entfernung beobachtet werden, damit sein Aufenthaltsort bekannt bleibt. Auch die der Österreichischen Namibia Gesellschaft vorliegende Meldung von Game & Hunt Daily vom 2. September 2026 gibt diese Warnung wieder. Min teengif vir slangbyte in vo…

Mehr als 570 Schlangen innerhalb einer Saison geborgen

Wie häufig es zu Begegnungen mit Schlangen kommt, zeigen die Zahlen von SCAN für die Saison 2025/26. Insgesamt wurden 578 Bergungen von Schlangen aus 35 Arten registriert. Am häufigsten wurde die Zebra-Speikobra (Naja nigricincta) geborgen. Besonders viele Einsätze gab es in der Region Khomas. Allein für den Raum Brakwater wurden 265 Bergungen verzeichnet, darunter zahlreiche Zebra-Speikobras und Puffottern. In Rehoboth waren es 141 und in Otjiwarongo 80 Einsätze.

Auch im Nordosten des Landes sind solche Begegnungen keineswegs ungewöhnlich. Für Katima Mulilo wurden 53 Einsätze registriert, wobei dort vor allem Anchietas Kobra (Naja anchietae) eine Rolle spielte. Weitere Bergungen meldete SCAN aus Karibib, Grootfontein, Tsumeb und Okahandja. Min teengif vir slangbyte in vo…

Bemerkenswert ist, dass nicht die am häufigsten geborgene Zebra-Speikobra für die meisten registrierten Bissverletzungen verantwortlich war. Nach Angaben von SCAN entfielen acht Bissfälle auf Stiletto Snakes.

Schlangenbisse bleiben eine medizinische Herausforderung

Wie schwer die Folgen eines Schlangenbisses sein können, zeigt eine im Juli 2026 veröffentlichte namibische Untersuchung zu Bissen von Zebra-Speikobras und Puffottern. Untersucht wurden 20 Patienten, die zwischen Dezember 2020 und März 2022 im Katutura Intermediate Hospital oder im Windhoek Central Hospital behandelt wurden. Es handelt sich damit nicht um aktuelle Fallzahlen für Namibia, sondern um eine kleine klinische Studie, die einen Einblick in mögliche Krankheitsverläufe gibt.

Bei 80 Prozent der untersuchten Patienten überwogen zytotoxische Vergiftungserscheinungen, also durch das Gift verursachte Schädigungen von Zellen und Gewebe. Operative Eingriffe waren häufig notwendig; bei drei der 20 Patienten kam es zu Amputationen. Todesfälle wurden in der untersuchten Gruppe nicht verzeichnet. Die Autoren weisen ausdrücklich auf die kleine Stichprobe und weitere Einschränkungen der Untersuchung hin.

Auffällig ist auch die Versorgung mit Gegengift: Lediglich drei der 20 Patienten erhielten Antivenom. Die Autoren beschreiben den Zugang zu Antivenom in Namibia als eingeschränkt und sehen Verbesserungsbedarf bei der Verfügbarkeit wirksamer Präparate. Die Untersuchung unterstreicht damit ein Problem, auf das SCAN auch aktuell aufmerksam macht.

Dabei ist Antivenom nicht als universelles Gegengift gegen jeden Schlangenbiss zu verstehen. Zusammensetzung und Wirkung der Schlangengifte unterscheiden sich erheblich, und nicht jedes verfügbare Präparat ist gegen das Gift jeder Art wirksam. Auch die medizinische Entscheidung über seinen Einsatz hängt von Art und Schwere der Vergiftung ab.

Abstand halten statt Risiko eingehen

Die Warnung von SCAN ist daher kein Grund zur Panik, wohl aber ein Anlass zu erhöhter Vorsicht. Die Organisation appelliert vor allem daran, unnötige Risiken zu vermeiden. Schlangen sollten weder angefasst noch selbst gefangen oder getötet werden. Gerade der Versuch, ein Tier zu beseitigen, kann eine vermeidbare Begegnung erst gefährlich machen.

Nach einem Schlangenbiss ist rasche medizinische Versorgung entscheidend. Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt, Betroffene möglichst ruhig und vollständig zu immobilisieren und sie so schnell wie möglich in eine medizinische Einrichtung zu bringen. Von traditionellen Behandlungsmethoden wird ausdrücklich abgeraten.

Die WHO stuft Vergiftungen durch Schlangenbisse als vernachlässigte tropische Erkrankung ein. Weltweit werden jährlich schätzungsweise 5,4 Millionen Menschen von Schlangen gebissen; bei 1,8 bis 2,7 Millionen kommt es zu einer Vergiftung. Sichere und wirksame Antivenome gehören nach Angaben der WHO zu den wichtigsten Maßnahmen, um schwere Folgen und Todesfälle zu verhindern.

Für Namibia gilt deshalb gerade mit Beginn der wärmeren Jahreszeit eine einfache Regel: Schlangen respektieren, Abstand halten und im Ernstfall professionelle Hilfe suchen.

Quellen

Patricia van Rooi: Low antivenom stocks as snake season looms, Namibian Sun, 17. August 2026. Die Meldung enthält die aktuelle Warnung von SCAN sowie die Zahlen der Organisation für die Saison 2025/26.
Namibian Sun – Originalartikel

Katrina Ndongi, Emmanuel Nepolo, Christian J. Hunter: Clinicopathological Features, Management, and Outcomes of Zebra Spitting Cobra (Naja nigricincta nigricincta) and Puff Adder (Bitis arietans) Snakebites in Namibia, BioMed Research International, veröffentlicht am 24. Juli 2026, DOI 10.1155/bmri/6571833.
Wissenschaftliche Originalpublikation bei Wiley

World Health Organization: Snakebite envenoming, Fact Sheet, aktualisiert am 17. September 2026.
WHO – Snakebite envenoming

Ergänzende Ausgangsquelle: Patricia van Rooi, Min teengif vir slangbyte in voorraad, Game & Hunt Daily, 2. September 2026.