Astronomie in Namibia

In Namibia findet man mehrere Voraussetzungen, die das Land für Astronomie interessant machen:

Daher ist es nicht verwunderlich, dass viele Amateurastronomen nach Namibia reisen, um dort Beobachtungen zu machen. Wissenschaftliche Institutionen errichten hingegen wegen der langjährigen Besatzung durch Südafrika nur langsam Observatorien in Namibia. So hat die Europäische Südsternwarte statt dessen ihr Zentrum in der chilenischen Atacama-Wüste bezogen, wo der Aufbau der Infrastruktur zwar ungleich teurer war, aber zum Zeitpunkt der Unabhängigkeit Namibias schon vollzogen war. Auf dem Gamsberg, der lange Zeit für diese Sternwarte im Gespräch war, gibt es daher nach wie vor nur eine Mini-Sternwarte.

HESS Teleskop

HESS Teleskop in Namibia

Dafür befindet sich auf einer Farm nahe dem Gamsberg eine nach dem österreichischen Physik-Nobelpreisträger Victor Hess benannte Beobachtungseinrichtung, die nach höchstenergetischen Gammaquanten aus dem Weltall sucht. Gamma-Quanten sind Lichtteilchen, die noch energiereicher sind als Röntgenstrahlen und zum Beispiel beim radioaktiven Zerfall entstehen. Im Kosmos gibt es aber Gamma-Quanten, die noch milliardenfach energiereicher sind als die der Radioaktivität. Wie diese entstehen, war bis vor wenigen Jahren ein Rätsel. Erst durch das HESS-Teleskop in Namibia konnte diese Frage geklärt werden. Das Problem war, dass pro Jahr nur wenige derartige Quanten pro Quadratkilometer auf die Erde treffen. Man braucht daher eine riesige Beobachtungsfläche. Da niemand ein so großes Teleskop bauen kann, hatten die Physiker die Idee, die Atmosphäre als Detektor zu benutzen: Jeder Einschlag eines derartigen Teilchens erzeugt nämlich einen schwachen blauen Blitz von wenigen milliardstel Sekunden Dauer. Um diesen zu beobachten, muss es ansonsten stockdunkel sein. Das bläuliche Licht wird von vier 60 Tonnen schweren Spiegeln auf einen Detektor bebündelt. 4 Spiegel sind nötig, um die Richtung, aus der das Gamma-Quant kommt, genau zu messen. So weiß man heute, dass die enormen Energien für die Produktion dieser Teilchen von Supernova-Explosionen stammen.

Nicht nur Gamma-Quanten treffen die Atmosphäre über Namibia, bisweilen tun dies auch Meteoriten. Die bedeutendsten sind der 55 Tonnen schwere Hoba-Meteorit auf einer Farm zwischen Otavi und Grootfontein, der wie die zahlreichen Stücke des Gibeon-Meteoritenschauers, der als der größte bisher entdeckte Meteoritenschaer der Welt gilt, zu den Eisen-Meteoriten zählt. 31 Brocken sind in Zentrum von Windhoek in einen Brunnen integriert worden. Im ehemaligen Diamantensperrgebiet, das jetzt dem Namib-Naukluft-Nationalpark angeschlossen wurde, findet sich der Roter-Kamm-Krater, der stark erodierte Überrest eines Meteoriten-Einschlages.

2002 war im Caprivi eine totale Sonnenfinsternis sichtbar. Die nächste totale Sonnenfinsternis wird erst 2030 über das südliche Zentralnamibia streichen.

Literatur: Zu Hess-Observatorium: Spektrum der Wissenschaft, August 2002

© Andreas Burghofer, Foto © Ursula Filipic